Biobank Graz

Ihre freiwillige Spende von Gewebe, Blut und anderen Körperflüssigkeiten ist enorm wichtig für die Förderung der Forschung und bildet einen wesentlichen Beitrag zur Ausbildung von Ärzt*innen. Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Proben in Verbindung mit Krankheitssymptomen ist heute eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein besseres Verständnis der Ursachen und des Verlaufs von Erkrankungen sowie für die darauf aufbauende Entwicklung neuer Vorbeugungsmaßnahmen, Diagnoseverfahren und Behandlungsmethoden.

Biobank Unterstuetzung

Mit Ihrer Unterstützung können

  • Ursachen für Erkrankungen erforscht werden
  • Vorbeugungsmaßnahmen gefunden werden, damit Menschen nicht erkranken
  • Krankheiten früher erkannt und geheilt werden
  • Behandlungsmethoden verbessert werden

Ihre Teilnahme ist

  • mit keinen weiteren Untersuchungen verbunden
  • risikofrei
  • kostenfrei

COVID-19 Genesenen Kohorte

Zwischen April 2020 und Februar 2021 wurden COVID-19 Genesene in die COVID-19 Genesenen Kohorte aufgenommen. Im Rahmen der Erstvisite sowie vier Folgevisiten, die 1, 2, 5 und 12 Monate nach der Erstvisite stattfanden, wurden den Teilnehmer*innen Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit, ein Mund- bzw. Nasenabstrich abgenommen sowie Serum, Plasma und Buffy-Coat Proben gewonnen. Bei der Erstvisite wurden mittels Fragenbogen Informationen zum Verlauf der Erkrankung, des Lebensstils und der Vorgeschichte erhoben. Proben der COVID-19 Genesenen Kohorte kommen in den nachfolgend beschriebenen Forschungsprojekten zum Einsatz.

Aktuelle Forschungsprojekte und Publikationen

Immunantwort nach mildem Verlauf einer SARS-CoV-2 Infektion

  • Die erste Publikation umfasst die Daten von 326 Personen (61,7% weiblich), die positiv mittels PCR auf SARS-CoV-2 getestet wurden und einen milden Verlauf der Erkrankung ohne Hospitalisierung durchlebten. Eine große Anzahl der Teilnehmer*innen (66,9%) litt noch 38 Tage nach der Infektion an Symptomen wie Müdigkeit, Geschmacksstörungen, Geruchsverlust, Kopfschmerzen, Atemnot, etc. Unsere Resultate zeigen, dass Teilnehmer*innen für mindestens 8 Monate nach der Infektion eine deutliche und anhaltende Immunantwort aufweisen. Des Weiteren konnten wir feststellen, dass Teilnehmer*innen, die unter typischen Symptomen (Fieber, Husten, Atemnot, Geschmacks- und Geruchsverlust) oder Begleiterkrankungen litten, höhere Antikörperwerte nach durchgemachter Infektion aufwiesen als Teilnehmer*innen mit besonders milder Symptomatik.
  • Publikation: https://www.journalofinfection.com/article/S0163-4453(21)00419-9/fulltext
  • Projektleiter*innen: Univ.-Prof. Dr. Robert Krause, Klinische Abteilung für Infektiologie; Univ.-Prof. DI Dr. Andrea Berghold, Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation; Univ.-Prof. Dr. Dr. Peter Schlenke, Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin; Univ.-Prof. Dr. Ivo Steinmetz, Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin; Univ.-Prof. Dr. Markus Herrmann, Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik

Antikörperantwort im Speichel COVID-19 Genesener

  • Unser Verständnis der menschlichen Immunantwort bei Infektionen ist für die Diagnostik und die Entwicklung von neuen Therapien von großer Bedeutung. Gerade bei neuartigen Krankheitserregern wie SARS-CoV-2 ist deshalb eine umfassende Charakterisierung der Immunantwort essentiell, um zusätzliche Erkenntnisse zu erlangen. Zu diesem Zweck wird im Laufe dieser Studie die Antikörperantwort der Teilnehmenden nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel mittels modernster Techniken analysiert. Durch die zusätzliche Analyse von Speichel erfahren wir, ob und in welchem Ausmaß sich auch in dieser Körperflüssigkeit Antikörper mit Schutzwirkung befinden. Ziel unserer Untersuchungen ist es Therapie und Diagnostik zu verbessern. Weiters tragen unsere Untersuchungen dazu bei, die Wirksamkeit von Impfstoffen zu überprüfen.
  • Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Ivo Steinmetz, Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin

Phänotypisierung von SARS-CoV-2–Infektionen mit Kernspinresonanzspektroskopie

  • In diesem Projekt werden die metabolischen Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion auf menschliche Bioflüssigkeiten unter Verwendung einer metabolischen Phänotypisierung mit Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) charakterisiert. Ziel ist es metabolische Biomarker für den Krankheitsverlauf von COVID-19 zu identifizieren und zu validieren um Verlaufsrisiken besser vorhersagen zu können. Eine Erweiterung der Untersuchungen im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung ist geplant.
  • Projektleiter: Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Tobias Madl, Gottfried Schatz Forschungszentrum für zelluläre Signaltransduktion, Stoffwechsel und Altern, Lehrstuhl für Molekularbiologie und Biochemie

Möglicher Einfluss der ABO Isoagglutinine auf eine Infektion mit SARS-COV-2 und COVID-19

  • Resultate unserer vorangegangenen Studie “Assoziation von ABH(O) und Lewis Blutgruppen Antigenen und COVID-19", zeigen, dass Personen mit Blutgruppe O eine geringere Wahrscheinlichkeit haben mit COVID-19 in stationäre Behandlung zu müssen, im Vergleich zu Personen mit ABO Typen A, B oder AB. Menschen mit Blutgruppe AB mussten signifikant häufiger stationär betreut werden. Ein wichtiger Unterschied zwischen den Blutgruppen O und AB ist das Vorhandensein der ABO Isoagglutinine. Diese Studie untersucht einen möglichen Einfluss der ABO Isoagglutinine im Serum und Speichel auf eine Infektion mit SARS-CoV-2. Die Anti-A und Anti-B Isoagglutinine werden in Serum- und Speichelproben von Patient*innen mit vorangegangener COVID-19-Erkrankung mittels Durchflußzytometrischer Analyse bestimmt. Darüber hinaus wird die Dynamik dieser Isoagglutinin-Messwerte zwischen zwei verschiedenen Zeitpunkten nach der Erkrankung untersucht und mit Ergebnissen nicht erkrankter Blutspender*innen verglichen.
  • Projektleiter*innen: Dr.in Eva-Maria Matzhold, Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Thomas Wagner, MA, Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin

Testung von Substanzen, um die Bindung von SARS-CoV-2 an Zellen zu hemmen

  • Unterschiedliche chemische oder biologische Substanzen wie zum Beispiel Antikörper, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder Impfungen produziert werden, können die Infektion von Zellen durch SARS-CoV-2 hemmen. Um das Wirkungsspektrum neuer möglicher Wirksubstanzen, Medikamente oder Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zu charakterisieren, ist es erforderlich die Wirksamkeit der Substanzen mit natürlichen Antikörpern in Seren von Patient*innen, die an COVID-19 erkrankt waren, zu vergleichen.
  • Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Kurt Zatloukal, Diagnostik- & Forschungsinstitut für Pathologie

Geringe Übereinstimmung zwischen verschiedenen SARS-CoV-2-Antikörpertests

  • Mittlerweile sind zahlreiche Tests zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 verfügbar. Obwohl die einzelnen Methoden sehr unterschiedlich konzipiert sind, wird im Alltag häufig nur von den „COVID-Antikörpern“ oder dem „COVID-Antikörpertest“ gesprochen. In dieser Studie wurden sechs häufig verwendete Labortests zur Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 miteinander verglichen. Als Studienkollektiv wurde auf Probenmaterial von insgesamt 954 Blutabnahmen bei 315 Teilnehmern*innen der „COVID-19 Genesenenkohorte“ zurückgegriffen. Die Tests zeigten gravierende Differenzen und zum Teil auch gegensätzliche Ergebnisse.
  • Publikation: https://meridian.allenpress.com/aplm/article/146/5/538/477161/Longitudinal-Comparison-of-Automated-SARS-CoV-2
  • Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Markus Herrmann, Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik

COVID-19 Impfkohorten

Die Medizinische Universität Graz unterstützt durch die Biobank Graz hat zahlreiche COVID-19 Impfkohorten aufgebaut. Das Ziel ist es die Immunantwort immunschwacher Patient*innen zu untersuchen (The CoVVac Study) oder auch ob Personen, die an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 leiden, eine  reduzierte Immunantwort aufweisen (COVAC-DM Study). Die Rekrutierung der Patient*innen findet an den jeweiligen Abteilungen statt. Gesunde Kontrollgruppen, werden über die Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin sowie die Biobank rekrutiert. Das Versuchsdesgin der jeweiligen Studien können Sie den Kohorten Profilen entnehmen.

Nachfolgend finden Sie Informationen zu Forschungsprojekten und Publikationen die unter Verwendung von Proben aus den Impfkohorten durchgeführt werden.

Aktuelle Forschungsprojekte und Publikationen

Humorale Immunantwort auf eine COVID-19 Impfung bei Diabetes: die prospektive COVAC-DM Kohortenstudie

  • In dieser Studie wurde die Immunantwort bei Menschen mit Diabetes mellitus auf eine COVID-19 Impfung untersucht. Es zeigte sich, dass die Antikörperantwort unabhängig vom vorliegenden Typ des Diabetes mellitus war und auch die Blutzuckereinstellung zum Zeitpunkt der Impfung keinen Einfluss auf die Antikörperantwort hatte. Die anti-SARS-CoV2 Antikörperspiegel bei Menschen mit Diabetes waren vergleichbar mit jenen von Kontrollpersonen ohne Diabetes. Jedoch zeigte sich ein Zusammenhang der Antikörperspiegel mit dem Lebensalter und der Nierenfunktion in dieser Kohorte. Weitere Untersuchungen zur Analyse der zellulären Immunantwort laufen aktuell noch.
  • Publikation: https://dom-pubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dom.14643
  • Projektleiter: Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Harald Sourij, MBA, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Trials Unit für Interdisziplinäre Metabolische Medizin

B-Zellen als Indikator für die humorale (Antikörper-bildende) Immunantwort auf die COVID-19 mRNA Impfung bei Patient*innen mit geschwächtem Immunsystem

  • Menschen die auf Grund einer Krankheit oder einer medizinischen Behandlung ein geschwächtes Immunsystem aufweisen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Studien haben überdies gezeigt, dass diese Patient*innen auch generell weniger auf Impfungen ansprechen. Die vorliegende Studie untersuchte die Immunantwort nach COVID-19-mRNA Impfungen.  Hierbei wurden die Ergebnisse von 120 Personen mit geschwächtem Immunsystem mit 79 Personen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Es konnte gezeigt werden, dass die Konzentration bzw. das Vorhandensein gewisser Lymphozyten Subtypen vor allem der naive B Lymphozyten, vor der 1. Impfung einen signifikanten Zusammenhang mit der gemessenen Immunantwort 21 Tage nach der 2. Teilimpfung hat. (Naive B-Lymphozyten sind Zellen die Antikörper bilden können, aber bisher noch keinen Kontakt zu einer körperfremden Struktur hatten.) Die Daten zeigen außerdem, dass zwischen der letzte B-Zell-depletierenden Therapie (Entfernung von B-Zellen bspw. Behandlung bei B-Zell-Lymphom) und einer COVID-19 Impfung ein Intervall von zumindest 4 Monaten liegen sollte, um eine ausreichende Antikörperantwort erzielen zu können. Die Anzahl von naiven B-Lymphozyten könnte in der Zukunft als Indikator dafür dienen, ob mit einer Antikörperproduktion nach einer COVID-19 Impfung zu rechnen ist.
  • Publikation: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2021.803742/full
  • Projektleiter: Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Martin Stradner, Klinische Abteilung für Rheumatologie und Immunologie

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